Seit kurzem bin ich in einem Aquarell-Malkurs. Uns Teilnehmende verbindet, dass wir als Angehörige oder Fachleute Menschen mit mentalen Veränderungen begleiten oder dies in der Vergangenheit taten. Viele unter uns nutzen die Aquarelltechnik, um Landschaftsidylle oder besonders schöne Formen und Farbspiele zu malen, möglicherweise als Ausgleich zum turbulenten Alltag.
Mich interessiert eher, was die Idylle stört. Also male ich naiv nach, was ich im TV oder Internet sehe.
Das hier abgebildete Aquarell ist ein Nachruf auf den viel diskutierten Wal, der sich in die Ostsee verirrt hatte und auf dessen Rücken bzw. Buckel heftige Konflikte ausgetragen wurden, ob und wie man ihm helfen könne. Der Arme sprach nicht die menschliche Sprache – das liegt in der Natur der Sache – und so projizierte jede (vermeintlich) helfende Person das in die Laute und Regungen des Wals, was ihr argumentativ gelegen kam. Für die einen sang der Wal, für die anderen weinte er.
Mich erinnert er an meinen Vater, als dieser nicht mehr (weg)laufen konnte und nur noch unverständliche Laute von sich gab. Einsame Menschen erklärten ihn plötzlich zu ihrem Freund, andere hatten Angst vor ihm, weil sie zuvor Menschen mit Demenz erlebt hatten, die (vermutlich aus Angst) ab und zu um sich schlagen.
Manchmal müssen wir traurig feststellen, dass wir überfordert sind und Leid allenfalls lindern, nicht jedoch beseitigen können, sei es beim Betreuen eines Menschen mit Demenz oder beim Umgang mit einem verirrten Wildtier.
Dann kann es trösten, kreativ und schöpferisch zu sein, ganz gleich, ob man dann einen Kuchen backt, den Himmel fotografiert – oder eben ein Aquarellbild malt.

Schreibe einen Kommentar